Es kam, wie es kommen musste. Der Algorithmus. Eine Handlungsvorschrift, die sequentiell, also nacheinander abgearbeitet wird, um ein Problem zu lösen bzw. eine Aufgabe zu erfüllen, wird zum Spielball der Dichter und Denker. Als Miriam Meckel darüber geschrieben hat – und nichts anderes fand als die fade recommendation engine aus dem eCommerce – war es mir der Mühe zu gering, darauf zu antworten. Als aber nun die geschätzte Kathrin Passig in der SZ sich bemüßigt sah, auf die am Boden argumentierende Meckel auch noch einzuschlagen, da wurde der Beschützerinstinkt in mir geweckt… Hier geht es weiter im Text… Ist der Algorithmus ein Feind?
Datenschutz als Vorbild?
Ein Schleswig-Holsteinischer Datenschützer legt sich mit Facebook an. Facebook hortet illegale Kinderprofile. Es wäre Zeit zu reden. Denn die in solchen Meldungen verborgene Aufgabe kann uns zu einer Neubestimmung der sozialen Marktwirtschaft inspirieren.
Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte man eine lukrative Karriere mit einer Vortragsreihe über das Ende der Nationalstaaten realisieren. Jetzt im Jahr 20 nach der neuen Zeitrechnung des weltweiten Datennetzes für jedermann ist der Nationalstaat im Netz oft ein zahnloser Tiger. Millionen von Bürgern vertrauen Kreditkartenfirmen und Rabattdienstleister ihr Innerstes an: ihr Konsumverhalten. Es ist eigentlich gar kein Problem, mithilfe dieser Daten ein Bewegungsprofil und eine Studie über Charaktereigenschaften zu erstellen. Keinen störte das bisher. Im Internet gilt so ein Verhalten der Firmen als verwerflich. Denn die Firmen sind im Niemandsland namens USA. Dort passieren allerlei böse Dinge mit dem Klickverhalten unbescholtener Bundesbürger im geliebten Internet. Allen voran sind Google und Facebook die Bösewichter par excellence. zumindest haben uns das viele so gesagt – in Talkshows, in Artikel und am Stammtisch. Und wir, die normalen Nutzer der Webdienste, sind die lahmen Enten, die keine Ahnung von Technik haben und daher auch nicht wissen dürfen oder müssen, was eigentlich mit unseren Daten gemacht wird… Hier geht es weiter im Text… Datenschutz als Vorbild?
Zwischen Natur und Geist
Bisher galten die Natur und die Kultur als unversöhnliche Geschwister der Schöpfung höherer Wesen. Aber in dem vermeintlichen Abgrund lebt eine Subkultur: Die Komplexität und die Emergenz.
Als Kain und Abel ihre Bruderzwistigkeiten ins dramatische Fach verlegten, hatten sie noch keine Vorstellung davon, dass ihre Urenkel Tausende Jahre später den alten Streit noch immer ausfechten müssen. Je nach Bedürfnislage kriegen sich die Streithähne über Ackerland, Vieh, Frauen und seit einigen Jahrhunderten sogar wegen ihrer Götter in die Haare. Und dass, obwohl bis zum heutigen Tag noch niemand einem Gott begegnet ist. Aber auch der Natur und der Kultur hat bis heute noch keiner die Hand geküsst oder ein Haar gekrümmt. Und doch ist das Tischtuch zwischen Geistes- und Naturwissenschaftlern zerschnitten – und zwar mit Gründen… Hier geht es weiter im Text… Zwischen Natur und Geist
Datenschutz für oder gegen die Nutzer?
Ein Schleswig-Holsteinischer Datenschützer legt sich mit Facebook an. Facebook hortet illegale Kinderprofile, ruft ein anderer Datenschutzbeauftragte. Es wäre Zeit zu reden. Denn die in solchen Meldungen verborgene Aufgabe kann uns zu einer Neubestimmung der sozialen Marktwirtschaft inspirieren… Hier geht es weiter im Text… Datenschutz für oder gegen die Nutzer?
Der Feind im Wir
Dunkle Motive schlummern in jedem von uns. Manche Lebenssituationen können sie ans Tageslicht bringen. Ob unsere Kultur sie bändigen kann?
Es scheint ein Kind der mächtigen Naturwissenschaft: das Suchen der Ursachen für das Böse in psychischer Krankheit. So wundert es nicht, dass uns der große Antipode des Guten nur noch in einer kränkelnden Form erscheint, aber Schwäche ist sicher die falsche Unterstellung. Vor nicht allzu langer Zeit sprach man beim Guten noch von Fruchtbarkeit oder Eros. Damit hatte der denkende Mensch noch so gerade eben beschreiben dürfen, was das Individuum zum anderen treibt, ohne ein Tabu zu brechen. Die Romantik trieb diese Hinwendung zum anderen in sakrale Höhen…
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Archäologie der Argumente
Der junge Mann aus gutem Hause hat eine gute Ausbildung genossen. Das goutieren die vielen anderen Menschen aus gutem Hause. Sie funktionieren daher genauso wie es vorgesehen war: Jeder sucht aus dem norwegischen Plagiat genau das raus, was ihm oder ihr als Feindbild in den Kram passt.
So finden die Feministinnen seinen Frauenhass bedenkenswert, manche erkennen fundamentalistische Lehrmeinungen oder gar nationalistische Leitbilder.
Ein Glück, dass zumindest die norwegischen Richter nicht auf ihren Knöpfen rumdrücken lassen und die ganze Chose nicht coram publico durchkauen. Er bekommt dort keine Öffentlichkeit. Damit könnten die vielen Versatzstücke geistiger Tätigkeit genau dort bleiben, wo sie hingehören.
Aber jetzt wird alles hübsch genau da publiziert, wo es sonst nie stattgefunden hätte.
Sicher, einige Zeitgenossen werden nun erklären, dass man genau diese “kruden Thesen” im Licht der Öffentlichkeit diskutieren muss. Muss man das? Vor allem dann, wenn man das eigene Unverständnis gegenüber diesem Mann und diesen Ideen vor allen Menschen paaren muss mit der eigenen Ohnmacht?
Es wäre sicher hilfreich gewesen, auf den “enemy within” zu verweisen, so wie es Johann Galtung tat. Aber dann könnte man sich nicht an diesem 1500 Seiten langen Strohalm festhalten. Dann müsste man die Reflexion nach innen beugen, in das Innerste unserer Gesellschaft. Da ist aber keine Mitte! Da sind wir… Hier geht es weiter im Text… Archäologie der Argumente
Boulevardjournalismus zweiter Ordnung
Die Aufklärung ist der heilige Gral vieler professioneller Informationisten. Vor allem Journalisten und Publizisten tragen ihre Insignien im eigenen Wappen, wenn es zu Felde geht. Wenn man aktuell die sozialen Netzwerke und Zeitungen durchforstet, findet man viele, die vorschnelle Ursachenzuschreibungen geißeln. Einige sind besonders weit voraus und erkennen den Unabomber im Manifest des norwegischen Attentäters.
Sie werden bald arbeitslos. Denn exakt diese Tätigkeit übernimmt schon der Computer. Das Erkennen von Mustern anhand von Texten. Dann werden bestehende und dokumentierte Fälle rausgesucht und wie im amerikanischen Case Law wird einfach subsummiert. Und ganz im Sinne der positiven Sozialwissenschaften wird die Erklärung gewählt, die die geringsten Annahmen und Parameter voraussetzt. Neuerdings (seit den 80ern) werden prägende historische Überlieferungen, die nicht reflektiert sondern perpetuiert werden ab einem bestimmten Stadium als Pfade bezeichnet. Solche Pfade tun sich hier auch wieder auf. Die Aufklärung, die angetreten war, die Leute anzuleiten, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen ist verkommen zu einem Pfade entlang der Laternen, die schon jemand hingehängt hat. Das ist aus Sicht des Journalismus fatal, weil ständig Bekanntes auf neue Einzelfälle angewandt wird. Der Wert dieser Texte geht gegen null. Das Gehirn des Lesers erhält keine neue Perspektive auf Altbekanntes sondern alte Perspektiven auf Neues… Hier geht es weiter im Text… Boulevardjournalismus zweiter Ordnung
Herr Biedermann besucht die Brandstifter
Viele Monate lang war es still um Herrn Also. Das war auch ganz gut. Hatte er doch einer germanischen Tradition gemäß die Daten naturwissenschaftlicher Forschung in einer Weise gedeutet, die große Kontexte erstellte: Das Denken sei vom Gen abhängig und eine bestimmte Religion und eine bestimmte Herkunft würde negative Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg haben. Vor allem in großen Städten würden die falschen Gene eine mentale Tollwut auslösen. Akademisch arbeitende Biologen und Sozialwissenschaftler waren überrascht ob der Haltlosigkeit und des lächerlichen Dilettantismus der Thesen und Konklusionen. Aber Lamarck war ja auch einst ein erfolgreicher Denker, warum nicht auch Herr Also mit seiner genetischen Intelligenztheorie? Hier geht es weiter im Text… Herr Biedermann besucht die Brandstifter
Warnintelligenz
Wir haben uns daran gewöhnt, dass Google ein gefährlicher Datenkrake und Apple ein nimmersatter Verkäufer digitaler Spielzeuge ist. Diese Archetypen der digitalen Ökonomie haben mittlerweile sogar schon einen Urahn: Der Großvater Microsoft röchelt noch ein wenig auf dem Sofa des weltweiten Datennetzes vor sich hin. Aber auch dieser Methusalem hatte einst richtige Feinde.
Vor 10 Jahren hatten Legionen von Journalisten vor den Konsequenzen der digitalisierten Arbeitswelt gewarnt. Die Menschen wurden krank vor schlechten Monitoren und Bürostühle genügten nicht mehr den ergonomischen Anforderungen. Vor allem der Aufbau der Oberfläche von Microsofts Bürolösungen galt als steinzeitlich. Heute ist das alles vergessen. Seit wir den Monitor auf ein Zehntel verkleinert haben und darauf herumwischen, geht es uns so gut, dass die wahren Gefahren nur noch von den Datenbanken der Werbenetzwerke ausgehen. ZEIT und Süddeutsche Zeitung hatten Mitte der Woche berichtet, dass die kapitalistische Großinvasion namens Google ihre giftigen Arme auf uns gerichtet habe. In einer Datenbank mit dem mysteriösen Kürzel DDP sollten die Interessen der Werbekunden an den Meistbietenden verhökert werden. Der Datenschutz – die goldenen Bulle der letzten Jahre – war in Gefahr. Offenbar hatte Google vor, uns alle zu verwanzen… Hier geht es weiter im Text… Warnintelligenz
Social Blase und Alfred North Whitehead
Es kursieren enorme Zahlen durch die Welt der Medien, wenn es um den bevorstehenden Börsengang (IPO) von facebook geht. Allerorten tauchen dann Experten auf, die von solchen Wetten an der Börse abraten. Ältere Semester verweisen auf das bereits erlebte Platzen der ersten Web-Blase vor 10 Jahren. Aber damals waren noch nicht solche Summen im Markt. Denn seit der Finanzkrise investieren Banken nicht mehr, indem sie Firmen und Staaten mit Schulden überhäufen. Es gibt daher Fantastilliarden freies Kapital, und das muss einer Vernichtung zugeführt werden, sonst platzen die Konten mit untätigem Geld und damit das System. Die Motive liegen etwas weiter zurück… Hier geht es weiter im Text… Social Blase und Alfred North Whitehead