Netzexperten sind ethnozentristisch

Kommentare

  
  1. Ein wichtiger Beitrag, weil die darin vorgebrachten Gedanken tatsächlich oft genug übersehen werden. Personen wie Mark Zuckerberg oder auch die Twitter-Gründer haben vermutlich keine Vorstellung davon, wie die Lebensverhältnisse unter anderen politischen Bedingungen sein können, wenn ein einziges falsches Wort eine Person auf Jahre ins Gefängnis bringen kann.

    Andererseits schafft das Internet zusammen mit den Social Networks, die gerade en vogue sind, im globalen Maßstab eine eigentümliche Situation: Hier die technologisch avancierten USA, in denen die Privatsphäre zumindest im digitalen Sinn gerade irgendwie abgeschafft (oder überwunden?) wird, dort Länder wie der Iran, Nordkorea oder Venezuela, wo relativ kleine Eliten rigoros den Ton angeben und den technologischen Fortschritt nur so weit zulassen, wie er ihren eigenen Zielen dient und ihn ansonsten abschalten bzw. ausblenden.

    Disparitäten koexistierten immer schon, waren aber in früheren Zeiten nie so offensichtlich und daher meist auch kein Problem. Heute dagegen gibt es so etwas wie Weltöffentlichkeit und einen Weltmarkt. In der Folge kalkulieren Unternehmen wie Google oder Facebook mit „Weltmarktanteilen“ und die „Rücksicht mit Leuten, die echte Risiken eingehen“ fällt schnell unter den Tisch…

  2. Wittkewitz sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis auf Tom Wolfe, hab ich wieder ein Buch mahr auf den beiden Packen neben meinem Bett. Ich meinte jedoch den Prediger John Perry Barlow und seine Jünger…wir schrieben das Jahr 1996 und es hieß
    „A declaration of independence of cyberspace“ und war der Vorläufer des unseligen hiesigen Internet Manifests…

  3. Chat Atkins sagt:

    Widerspruch in einem Punkt: Die frühen kalifornischen Web-Pioniere kamen nicht aus der Hippie-Bewegung. Es waren physikalisch ausgebildete Leute aus der amerikanischen Halbleiter-Industrie, die nur zufällig ebenfalls in Kalifornien gelandet waren. Für sie war überhaupt kein hippiesker Lebenstil typisch, sondern 16-Stunden-Arbeitstage und Speed, Cola und Pizza als Drogen, dazu Feldbett im Büro. Frauen waren entbehrlich, die kosteten nur Zeit. Eher ein asketischer Lebensstil also. Mit ‚Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll‘ hatten die goldenen Zeiten der Web-Frühzeit nichts am Hut. Der Tom Wolfe hat mal ’ne ganz gute Reportage über diese soziale Genese geschrieben – hier enthalten:

    http://www.amazon.de/wie-die-Welt-sah/dp/3442152410/ref=sr_1_16?ie=UTF8&s=books&qid=1272207051&sr=1-16

Trackbacks

  1. […] auch Zweifel an diesem Konzept geäußert: Jörg Wittkewitz zum Beispiel schreibt, Kruses Ansatz erscheine ihm ein wenig “verstaubt”; für ihn sei das Internet eher so etwas wie ein Werkzeugkoffer, […]

  2. [MARKED AS SPAM BY ANTISPAM BEE]
    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Daniel Bröckerhoff, J. Wittkewitz erwähnt. J. Wittkewitz sagte: Netzexperten sind ethnozentristisch http://www.digitalpublic.de/?p=2517 […]

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