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	<title>Multiasking</title>
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	<description>&#34;Zur ganzen Wahrheit gehören zwei – einer, der sie sagt und einer, der sie versteht.&#34; H. D. Thoreau</description>
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		<title>Gauck als Auslegeware</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Feb 2012 11:25:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gauck]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Netz]]></category>
		<category><![CDATA[twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Zitat]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Es ist der besondere und fortwährende Irrtum des menschlichen Begreifens, mehr durch Bestätigung als durch Verneinung bewegt und begeistert zu werden.&#8221; Francis Bacon,1620. Eine Echokammer ist ein nach akustischen Gesetzen gestalteter Raum, der besondere Hall- und Echoeigenschaften aufweist. In einer trivialisierten Form der Medientheorie, die zum Teil im Feuilleton-Jargon oder bei halbgaren Medienwissenschaftlern anzutreffen ist, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/02/gauck.jpg"><img class="alignleft" title="gauck" src="http://www.netzpiloten.de/wp-content/uploads/2012/02/gauck.jpg" alt="" width="213" height="229" /></a></p>
<p>&#8220;<em>Es ist der besondere und fortwährende Irrtum des menschlichen Begreifens, mehr durch Bestätigung als durch Verneinung bewegt und begeistert zu werden</em>.&#8221; Francis Bacon,1620.</p>
<p>Eine Echokammer ist ein nach akustischen Gesetzen gestalteter Raum, der besondere Hall- und Echoeigenschaften aufweist. In einer <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Echo_chamber_%28media%29" target="_blank">trivialisierten Form der Medientheorie</a>, die zum Teil im Feuilleton-Jargon oder bei halbgaren Medienwissenschaftlern anzutreffen ist, bezeichnet dieser Begriff ein Phänomen, das in der Wissenschaft als confirmation bias bezeichnet wird. Damit wird die psychologische Erkenntnis umschrieben, dass Menschen aus der Vielzahl an einströmenden Informationen diejenigen aussuchen, die die eigenen Erwartungen und das Vorwissen bestätigen und diejenigen Inhalte, die dieser Haltung widersprechen, werden ausgefiltert.</p>
<p>Der Psychologe Leon Festinger hat in seiner Theorie der Kognitiven Dissonanz dargelegt, dass Menschen dazu neigen, widersprechende Informationen oder Aktivitäten aufzuheben bzw. auszulöschen, weil die Widersprüche innere Erregung auslösen. Man kann also auf der Basis dieser psychologischen Begründung behaupten, dass Menschen emotionale Spannung abbauen, wenn sie Widersprüche auflösen. So etwas ist neulich geschehen, als zahlreiche Tweets mit kritisierten Zitaten vom zukünftigen Bundespräsidenten Gauck auftauchten&#8230;<span id="more-2755"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In einer <a href="http://blogbar.de/archiv/2012/02/21/gauck-das-netz-und-die-speichellecker" target="_blank">schier</a> <a href="http://blog.karlshochschule.de/2012/02/20/gauck-in-der-filterbubble-oder-wie-wir-lernten-den-kontext-zu-ignorieren/" target="_blank">endlosen Schlacht</a> von <a href="http://www.netzpiloten.de/2012/02/22/causa-gauck-deutungshoheit-im-netz/ww.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2012-02-21/der-boese-gauck-und-das-netz">Interviewzitaten</a> von Joachim Gauck war jedoch der Blick auf das eigentliche Thema etwas verstellt. Denn das Besondere lag vor allem darin, dass zur Zeit der letzten Präsidentenwahl ein großer Teil der sogenannten Netzgemeinde (gemeint ist wohl vor allem die Twitter-Community) unter dem Hashtag #notmypresident ihren Unmut über Wulff äußerte und Gauck über den grünen Klee lobte. Nun war in dieser Twitter-Welt jedoch ein anderer Geist dominierend, der Gaucks Äußerungen zur Vorratsdatenspeicherung, zu HartzIV oder der Occupy-Bewegungen ins Visier nahm.</p>
<p>Leider hatten sich einige Journalisten dazu verstiegen, diese Zitate zum Anlaß zu nehmen Kritisches über Gauck zu verbreiten. Wie so oft im massenmedialen Geschäft wurden Zitate aber hauptsächlich dazu benutzt, um eine vorgefertigte Meinung zu substantiieren. Anstatt also die Gegenposition stark zu machen und den ganzen Kontext von Gaucks Meinungsäußerungen zu liefern, wurde verkürzt. Das mag auch deswegen geschehen, weil die Redaktion eine bestimmte Länge vorgibt und man dann alle wichtigen Details, die einem später vorgehalten werden, einfach weglassen muss &#8211; man streicht also seine eigene Recherche zu einem Tendenzartikel zusammen. Das passiert nicht so selten wie der gemeine Leser annimmt &#8211; vor allem externen, freien Journalisten. Es kann aber auch sein, dass eine Redaktion sich sogenannte Bullterrier hält. Die schreiben eigentlich nichts Anderes als vernichtende, lächerlich machende Artikel über all die Themen, die die Redaktion gerade im Schmutz sehen will.</p>
<p>Es ehrt Sascha Lobo, wenn <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,816601,00.html" target="_blank">er diesen Themenkomplex auf eine Diskussion über Zitate reduzieren will</a>. Er baut seinen hübsch gestanzten Spannungsbogen vom historischen Einleitungs-Zitat über das detailverliebte Beschreiben beobachteter Realität bis zum Schließen des Spannungsbogens im letzten Absatz exakt genauso, wie diejenigen, die er kritisiert: die Massenmedien und die dreisten Gauck-Kritiker bei Twitter.</p>
<p>Es geht hier um eine Industrialisierung der Information, es geht um seriellen Journalismus &#8211; also die vierte Gewalt vom Fließband. Alles Nachvollziehbare wird gestanzt in die immer gleichen Formen. Alles Kritisierbare wird dann gut, wenn es in einem historischen Kontext mit Großzitaten eingewoben wiedergekäut wird in lakonischen Beobachtungen voller bildungsbürgerlicher Anspielungen. Die Uniform des Feuilleton läßt grüßen. Und wenn eine Meinung, eine Ahnung oder einfach nur ein Kommentar mit einem Link und einem Halbsatz in den digitalen Äther gerotzt wird, dann ist schon nachgewiesen, dass dort keine Medienkompetenz herrscht? Ist das dort etwa der schützenswerte Qualitätsjournalismus, der Besinnungsaufsätze bis zur Besinnungslosigkeit mit einem Bildungsjargon versetzt bis jegliche Aussage überzuckert ist. Und gegenüber auf der anderen Seite der Schwarz-Weiß-Welt sind die dummen Jungs und Mädels, die Zitate aus dem Zusammenhang reißen, weil sie nur 140 Zeichen zur Verfügung haben und darin auch noch einen Link unterbringen müssen.</p>
<p>Ich verstehe gut, dass sich viele Experten über die Netzgemeinde hermachen, die manche Zitate verkürzt. Aber dahinter steht doch eine Hevelingsche Kriegserklärung im Wolfspelz (Lobo ist spanisch für Wolf). All diejenigen, die mit ihm gemeinsam über den Botschafter (Messenger) herfallen. Machen sich nicht eben zum Anwalt einer inhaltlichen Diskussion.</p>
<p>Und es gibt <a href="http://jacobjung.wordpress.com/2012/02/22/der-gauck-die-netzgemeinde-und-die-anderen/" target="_blank">klare Hinweise</a> auf <a href="http://www.metronaut.de/2012/02/nicht-mein-praesident-gute-gruende-gegen-gauck/" target="_blank">diskussionswürdige Tendenzen</a> von Gauck, die den damaligen ebenso unreflektierten Herdentrieb der Netzgemeinde gegen Wulff und für Gauck in einem neuen Licht erscheinen lassen. Da ist die Mitschrift von <a href="http://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/545/1/lang,de/" target="_blank">Gaucks Meinung zur Vorratsdatenspeicherung</a>:</p>
<blockquote><p>[...] Was ich bei Herrn Stöbele nicht so richtig nachvollziehen kann ist, dass er im Grunde mit der von mir getragenen Sorge, ob unsere Grundrechte eingeschränkt werden, nicht im Grunde so eine hysterische Welle mit aufbaut, als würde mit der Speicherung von Daten, die möglicherweise meine Grundrechte einschränkt &#8211; ein wenig einschränkt -, als wäre dann der Beginn zu dem Spitzelstaat. Darauf hat Herr Tophoven eben abgehoben. Das ist eine ganz tiefsitzende Angst in vielen europäischen Völkern. Ich sehe die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland nicht in der Gefahr, zu einem Spitzelstaat zu werden. Umso mehr müssen die Regierungen dartun &#8211; und zwar wirklich mit tragfähigen Belegen -, wieviel mehr Kontrollmöglichkeiten, Speicherungsmöglichkeiten, Fahndungsmöglichkeiten uns tatsächliche Erfolge bringen. Denn sonst würde ich das doch als eine beginnende Gefahr dieses Sicherheitsmantras gegenüber der Freiheitsbotschaft sehen. [...]</p></blockquote>
<p>Auf eine geschickte, diplomatische Weise nimmt Gauck die Sorgen ernst und konterkariert die zugrunde liegenden Ängste &#8211; gerade und auch auf dem Boden seiner eigenen Stasi-Erfahrungen &#8211; mit der Unmöglichkeit eines Spitzelstaats. Und das obwohl bis zum Aufdecken des Staatstrojaners keiner genau wusste, wie überhaupt in Deutschland abgehört wird. Die vielen deutschen Firmen, die Filtersoftware und Deep Packet Inspection anbieten, haben auch deutsche Behörden auf ihren Kundenlisten. Neben diesen bekannten polizeilichen Maßnahmen ist gar nicht klar, welche Lösungen Militärischer Abschirmdienst und Verfassungsschutz einsetzen. Auch die Handyüberwachung in Berlin und Dresden hat viele Mitglieder der &#8220;Netzgemeinde&#8221; sensibilisiert in eine sorgenvolle Richtung. Da ist es nur wohlfeil von Gauck zu behaupten, dass die Gesellschaft nicht Gefahr läuft ein Spitzelstaat zu werden. Da sich aber die politische Kaste und erst recht die Behörden immer weiter vom Souverän entfernen, sind Ängste nicht wirklich unbegründet.</p>
<p>Warum ausgerechnet jemand, der moralisch die Nation anführen soll, auf HartzIV, Armut und Sarrazin so blickt, wie Gauck das tut, ist sicherlich diskutabel. Da hat der Verweis auf verkürzte Zitate eher verwirrenden Charakter. Wer es im Original lesen will, findet das Interview hier: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/interview-mit-joachim-gauck-warum-ueberlassen-wir-den-stolz-den-bekloppten-1.1006716" target="_blank">Das Interview in der Süddeutschen Zeitung</a></p>
<p>Spannend bleibt also bisher nur die Tatsache, dass die Metadiskussion über das Ausbleiben einer Diskussion Stoff für Blogbeiträge liefert. Die Inhalte von Gauck sind entweder zu komplex oder zu verschwommen, um sie wirklich so zu diskutieren, dass ein Diskurs über die inahtliche Haltung Gaucks zustande kommt. Wenn man irgendetwas dem Web vorwerfen will, dann die Tatsache, dass die Apologeten des Internet sich aus der diskursiven Verantwortung stehlen und mit Fingern auf diejenigen zeigen, die eine Meinung mit einem Link (re)tweeten. Der Verweis auf die Filter Bubble von Eli Pariser ist in diesem Zusammenhang übrigens obsolet, weil Pariser von automatisierten Filtern sprach und eben nicht von echten Menschen mit echter Empörung &#8211; auch wenn diese nicht immer ausreichend substantiiert zu sein scheint. Algorithmen sind etwas ganz Anderes als vermeintlich tumbe Twitter-Nutzer&#8230;</p>
<p>Aber der Mensch neigt gern dazu, die Informationen auszublenden, die nicht seine Erwartungen an die Wirklichkeit erfüllen. Manche nennen das den individuellen Realitäts-Tunnel. Dass das Internet eine technologische Basis ist, die gleichzeitig den sozialen Fortschritt eines offenen Dialogs mit sich bringt, hat niemand ernsthaft behauptet. Aber man kann im Internet damit anfangen, die Bedingungen eines offenen Austauschs zu diskutieren. Der Verweis auf die handwerklichen Fehler der vermeintlich Anderen ist dabei aber möglicherweise kein sozialer Fortschritt. Journalistisch interessant wird der Fall Gauck erst, wenn die <a href="https://twitter.com/#%21/RolfSchaelike/status/171331952123715584" target="_blank">hier</a> und <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/stasi-unterlagenbehoerde-als-joachim-gauck-eine-falsche-auskunft-gab/6228620.html" target="_blank">da</a> aufpoppenden fragwürdigen Verhaltensweisen als Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde nach intensiver investigativer Recherche Teil des öffentlichen Diskurses geworden sind. Mal sehen ob sich die BILD dann wieder mit Ruhm bekleckern darf&#8230;</p>
<p>Und zum Schluß der Lobosche Fehlschluß:</p>
<blockquote><p>Es fühlt sich an wie eine unheilige Allianz, wenn sich soziale Medien in ihrem Wunsch nach Verkürzung und Anspitzung und professionelle Medien in ihrem Wunsch nach vermarktbarer Aufmerksamkeit so ergänzen, dass Zitate in den maximalen Wirkungskontext zusammengestaucht und zurechtgebogen werden. In der Berichterstattung zum Arabischen Frühling ergänzten sich die Stärken von journalistischen Medien und Social Media &#8211; hier ergänzen sich die Schwächen.</p></blockquote>
<p>Die Berichterstattung zur Arabischen Rebellion wäre ohne Twitter, Youtube, Facebook gar nicht möglich gewesen, weil es schlicht keine andere Berichterstattung gab. Da waren keine anderen Medien &#8211; abgesehen von den staatlich gelenkten Organen der Diktatoren. Unsere Medien hatten über lange Strecken kein eigenes Material, dasselbe sehen wir aktuell wieder in Syrien. Das ist keine Ergänzung. Die Profis bedienen sich derjenigen, die vor Ort sind, ohne sie zu vergüten. Kein Wort wird da verloren über Urheberrechte und gegenseitige Ergänzung. Eine Einladung zur nächsten Webkonferenz ist meist das Einzige was übrig bleibt für all die Blogger und selbst ernannten Videojournalisten, die ihr Leben riskieren. Noch was Herr Lobo; Soziale Medien haben keinen Wunsch nach Verkürzung. Twitter hat nur 140 Zeichen. Meinungen über die Aussagen anderer sind meistens mit einer Zustimmung oder Ablehnung verbunden, sonst motivieren sie keinen Tweet oder ähnliches. Es ist das Eine, über die das bloße LikeIt-Stimmvieh den Stab zu brechen. Es ist ein Anderes, eigene Gedanken, losgelöst von der aktuellen durchs Dorf getriebenen Sau zu entwickeln. Ich kann gerade bei Lobo exakt das immer wieder erkennen, was er anschwärzen will.</p>
<p>1. Erkennen, was gerade diskutiert wird.<br />
2. Seine Taler damit zu mehren, diese Sau in ästhetischer Weise zusammenzufassen, Details zu beschreiben, eigenen Senf draufzudrücken und das Produkt Redaktionen zu verhökern.</p>
<p>Warum sind all die Anderen im Netz, die nichts damit verdienen, auf Fremdes zu verweisen, unselige Falschzitierer? Jemand, der den maximalen Wirkungskontext der jeweils aktuellen Web-Sau auf Twitter/Facebook/Google+ ausnutzt, um seinen industrialisierten, seriellen Journalismus loszuwerden, tut nichts Anderes als gegen maximalen Wind zu pissen, wenn er genau diese Web-Sau und ihre Mechanismen anprangert.</p>
<p>Foto: Das blaue Sofa / Club Bertelsmann</p>
<p>Crosspost von netzpiloten.de</p>
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		<title>Ist der Algorithmus ein Feind?</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 13:43:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>

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		<description><![CDATA[Es kam, wie es kommen musste. Der Algorithmus. Eine Handlungsvorschrift, die sequentiell, also nacheinander abgearbeitet wird, um ein Problem zu lösen bzw. eine Aufgabe zu erfüllen, wird zum Spielball der Dichter und Denker. Als Miriam Meckel darüber geschrieben hat &#8211; und nichts anderes fand als die fade recommendation engine aus dem eCommerce &#8211; war es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es kam, wie es kommen musste. Der Algorithmus. Eine Handlungsvorschrift, die sequentiell, also nacheinander abgearbeitet wird, um ein Problem zu lösen bzw. eine Aufgabe zu erfüllen, wird zum Spielball der Dichter und Denker. Als Miriam Meckel darüber geschrieben hat &#8211; und nichts anderes fand als die fade recommendation engine aus dem eCommerce &#8211; war es mir der Mühe zu gering, darauf zu antworten. Als aber nun die geschätzte <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/zur-kritik-an-algorithmen-warum-wurde-mir-ausgerechnet-das-empfohlen-1.1253390" target="_blank">Kathrin Passig in der SZ</a> sich bemüßigt sah, auf die am Boden argumentierende Meckel auch noch einzuschlagen, da wurde der Beschützerinstinkt in mir geweckt&#8230;<span id="more-2752"></span></p>
<p>Liebe Kinder und Kinderinnen, es ist nicht an dem. Ich freue mich ja, wenn normale Leute sich mit mathematischen Verfahren abmühen oder zumindest deren ingenieursmäßige Ausbeutung in der Informatik betrachten. Aber mal unter uns: Tausende Sachbearbeiter in Banken und Versicherungen wurden entlassen, weil die automatische Posteingangsbearbeitung und Klassifikation die Schadensbearbeitung und viel trivialere Aufgaben in wenigen Jahren in die Hände von Robotern legten. Der Hochfrequenzhandel ist ein dicker Brocken bei der Ursachenforschung rund um die Finanzkrise. Und Überwachung im großen Stil geht ohne algorithmische Textanalyse gar nicht mehr. Manche können sich ja bis heute nicht vorstellen, dass der Einzug der Roboter in der Industrie nur ein Fliegenschiß war gegenüber dem, was in der Dienstleistungswelt passiert und noch passieren wird. Da war das sarkastische Wort vom Bildschirmrückseitenberater von Günter Dueck auf der re:publica nur ein geschniegelter Anfang der Entlassungswelle, die schon länger durch den dritten Sektor rollt. Und alle die mit ihm darüber gelacht haben, werden sich noch umschauen, was es heißt, wenn die IBMs und HPs dieser Welt die Arbeitswelt vollständig umgekrempelt haben, auf dass nur noch Experten und 400-EURO-Jobber übrig bleiben.</p>
<p>Eine Recommendation Engine steckt in jeder Suchmaschine, die den Namen verdient und analysiert das Bedienerverhalten und optimiert daraufhin seine Ergebnislisten, was Eli Pariser zu der so schönen wie falschen Annahme verleitet hat, dass wir alle im Web in einer Filter Blase vegetieren. Wir tun das sowieso schon immer in der Medienwelt, weil sie eine vermittelte Welt ist. Das eigentliche Problem, das er gar nicht erkannt hatte und das hier weder bei Meckel noch bei Passig auftaucht, ist die Frage, wie wir vernetzte Informationen überhaupt sinnvoll einsetzen können &#8211; und zwar in bezug auf aktuelle und künftige Aufgaben.</p>
<p>Denn unser Gehirn filtert freundlicherweise fast alle aktuellen Informationen aus. Die Intuition behandelt die Gegenwart und reagiert, das Bewußtsein ist nur für die Planung, also die Zukunft zuständig. Philosophen und Neurowissenschaftler behandeln im Zuge des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Libet-Experiment" target="_blank">Libet-Experiments</a> dieses selbe Problem mit der unzureichenden Frage nach dem freien Willen. Es geht aber nur um Gegenwart und Zukunft. Und das ist auch der Kern bei den Algorithmen. Würden wir im Web frei agieren, gäbe es keine Vorbehalte gegenüber den unsichtbaren Regelwerken. Aber im Web wird unser zukünftiges Handeln extrapoliert, nachdem unsere Intuition die Software der Webdienste mit Daten über unser unbewusstes und vorbewusstes Entscheiden füttert. Die reflektierende Ebene ist ein Automat geworden.</p>
<p>Die Vorwürfe der Kulturjournalisten gegenüber den Algorithmen sind bisher einfach schlecht formulierte und unzureichend durchdachte, aber intutiv richtig erfasste Ängste gegenüber einer Black Box, also einem unkontrollierbaren Verfahren namens Algorithmus, das unseren Entscheidungen im Web in einer Schleife Informationen entnimmt und damit neuronale Netze füttert, die ihrerseits die Gestalt und die Inhalte im Web neu strukturieren, um uns angepasster zu sein. Diese Form der gelenkten Evolution ist aber keineswegs eine Selektion, die erwünschte gesellschaftliche Entwicklungen verstärkt. Es geht dabei also nicht um das Abbilden unserer gemeinschaftlichen Schlenker, die wir als soziales Wesen vollführen. Es geht um kommerzielles Verfügbarmachen und Optimieren der Strukturen im Web unter der Knute des Populären. Damit wird der Kern des Web falsch bewertet und vom Wesentlichen abglenkt. Denn das Web ist der erste Kulminationspunkt, in dem eine orale und eine schriftliche Kultur zusammenfallen. Es ist damit die Essenz der letzten Jahrtausende unserer Kulturgeschichte. Der Algorithmus jedoch ist ein Hersteller künstlicher Düfte und Aromen, die uns zu etwas locken sollen. Die Folgen sind unabsehbar für die Gärtnertätigkeit bei geistigen Schöpfungen. Es geht im Zweifel alles das verloren, was uns an unvermittelter Kommunikation bleibt. Im Mindesten wird diese fantastische Hochzeit von Sprach- und Schriftkultur einfach im Optimierungswahn der Werbewelt zu einer Las-Vegas-Hochzeit mit Elvis-Presley-Double und Musik vom Band.</p>
<p>Es geht also darum schlauer zu werden und den Algorithmen auf die Finger zu schauen. Transparenz? Nee, so platt kommt ihr mir nicht davon. Es muss eine Diskussion geben darüber wie unsere Gesellschaft das Web strukturieren und nutzen will. Die Anbieter müssen ihre Pfründe bekommen, meinetwegen Milliarden, aber wir müssen das Erbe der Menschheit pflegen: Sprache und Schrift und nicht zuletzt unser Nachdenken über unsere eigene Zukunft. Und das soll nicht allein an unseren unbewußten Entscheidungen im Web ausgerichtet werden sondern an Visionen, Werten und einem breiten Diskurs.</p>
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		<title>Datenschutz als Vorbild?</title>
		<link>http://www.multiasking.net/datenschutz-als-vorbild</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 15:47:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Schleswig-Holsteinischer Datenschützer legt sich mit Facebook an. Facebook hortet illegale Kinderprofile. Es wäre Zeit zu reden. Denn die in solchen Meldungen verborgene Aufgabe kann uns zu einer Neubestimmung der sozialen Marktwirtschaft inspirieren. Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte man eine lukrative Karriere mit einer Vortragsreihe über das Ende der Nationalstaaten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Schleswig-Holsteinischer Datenschützer legt sich mit Facebook an. Facebook hortet illegale Kinderprofile. Es wäre Zeit zu reden. Denn die in solchen Meldungen verborgene Aufgabe kann uns zu einer Neubestimmung der sozialen Marktwirtschaft inspirieren.</p>
<p>Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte man eine lukrative Karriere mit einer Vortragsreihe über das Ende der Nationalstaaten realisieren. Jetzt im Jahr 20 nach der neuen Zeitrechnung des weltweiten Datennetzes für jedermann ist der Nationalstaat im Netz oft ein zahnloser Tiger. Millionen von Bürgern vertrauen Kreditkartenfirmen und Rabattdienstleister ihr Innerstes an: ihr Konsumverhalten. Es ist eigentlich gar kein Problem, mithilfe dieser Daten ein Bewegungsprofil und eine Studie über Charaktereigenschaften zu erstellen. Keinen störte das bisher. Im Internet gilt so ein Verhalten der Firmen als verwerflich. Denn die Firmen sind im Niemandsland namens USA. Dort passieren allerlei böse Dinge mit dem Klickverhalten unbescholtener Bundesbürger im geliebten Internet. Allen voran sind Google und Facebook die Bösewichter par excellence. zumindest haben uns das viele so gesagt – in Talkshows, in Artikel und am Stammtisch. Und wir, die normalen Nutzer der Webdienste, sind die lahmen Enten, die keine Ahnung von Technik haben und daher auch nicht wissen dürfen oder müssen, was eigentlich mit unseren Daten gemacht wird&#8230;<span id="more-2745"></span></p>
<p>Als Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Kiel auf der Basis einer ersten Studie zur Datenerhebung von Facebook dieser Tage alle Webseitenbetreiber mit empfindlichen Geldbußen bedrohte, ging ein Sturm durch das Internet. Jeder kleine Blogger, der den Like-Button (also die Gefällt-Mir-Funktion mit dem Daumen) einbindet, kann sich auf ein Bußgeld von 50.000 Euro einstellen. Auch die Firmen, die teure Social Media Berater bezahlen, um eine eigene Fanpage bei Facebook zu nutzen, sollen ran ans Portemonnaie.</p>
<p>Wer das Thema Datenschutz länger verfolgt hat, muss feststellen, dass selten technischer Sachverstand und juristisches Wissen gemeinsam auftreten. Dieses Phänomen betrifft genauso die radikalen Datenschützer wie vermeintlich liberale Kräfte im Netz. Sie sehen schon ein Zeitalter herannahen, wo die Privatsphäre überflüssig zu sein scheint. Klar ist, dass das Flickwerk Datenschutzrecht nicht mit den Entwicklungen im weltweiten Datennetz mithält. Und so verwundert es auf den ersten Blick auch nicht, wenn die selbst ernannte Lobby der Internetnutzer namens Digitale Gesellschaft in Gestalt von Markus Beckedahl auf die Politiker verweist, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten. Auf den zweiten Blick ist es eine seltsam verkürzte Einschätzung der schon lange brodelnde Suppe aus Vorurteilen, Meinungen, Marktmacht und Ohnmacht der Datenschützer. Vor allem ist das Delegieren von öffentlichen Aufgaben an Politiker wohlfeil, aber immer seltener zielführend. Außerdem reagiert Facebook kaum auf irgendwelche Schreiben der Behörden oder publikumswirksame Austritte von Politikern. Und dass, obwohl auch eine Supermacht wie Facebook mit 750 Millionen Nutzern eine Interesse daran hat, dass klare Verhältnisse herrschen. Und auch das Beispiel Kreditkarten und Rabattservices zeigt, dass viele Bürger gar nicht abgeneigt sind, Daten an fremde Firmen zu geben, sofern das einen Nutzen verspricht.</p>
<p>Wenn aber die Firmen und die Nutzer die Aufgabe des Datenschutzes gar nicht transparent diskutieren sondern alles den Behörden überlassen, dann bleibt die Situation zwischen radikalen Datenschützern und libertären Firmen und Webnutzern gespannt. Jede Woche werden dann wieder Menschen verunsichert durch Urteile, konzertanten Aktionen und unfassbare Firmenentscheidungen, die vor allem eines fördern: mangelndes Vertrauen und Ratosigkeit. Aber gerade das Netz birgt noch soviel Potenzial für moderne Gesellschaften, dass es nachgerade unverantwortlich ist, den Regelungsrahmen allein Juristen und Ökonomen oder gar Politikern zu überlassen.</p>
<p>Wer Milliarden Liter von Erdöl bei den Pendlern einsparen will, der muss das Datennetz als Infrastruktur auffassen, die verlässlich ist für Firmen und Kunden. Denn dann arbeiten die Leute von zuhause aus, versorgen dort ihre Angehörigen und verplempern nicht Stunden mit dem Anstehen in Schlangen vor einer Kasse oder im morgendlichen Stau. Es wird also Zeit, dass wir selbst diskutieren, was wir im Netz wollen und was nicht.</p>
<p>Leider ist dieser Diskurs zurzeit behindert durch Experten, die technische Sachverhalte unnötig komplizieren und juristische Fallstricke überall dort aufbauen, wo Menschen ihr tägliches Leben in eine moderne Struktur bringen müssen. Transparenz entsteht nicht dadurch, dass Funktionen im Internet beschränkt werden. Das Leben im digitalen Zeitalter wird jedoch auch nicht lebenswerter, wenn all unsere Aktionen im Internet über Jahre gesammelt und mit Vor- und Zunamen abgespeichert werden. Die nötigen Diskussionen, welche Vorteile wir wollen und welche Nachteile wir dafür bereit sind in Kauf zu nehmen, müssen wir direkt mit den Supranationen namens Google, Facebook und Apple führen. Es wäre an der Zeit, das Internet als Plattform zu nutzen, um als Kunden direkt mit den Firmen zu verhandeln. Dazu sollten die Firmen all die Daten, die sie brauchen spezifizieren. Jedes Land kann dann in Gestalt seiner dortigen Kunden abstimmen, welche Funktionen und welche Datenerhebung das zur Folge hat. Diese Diskussionen sind einerseits Teil der Kundenbindung und eines kritischen Konsums auf der Gegenseite.</p>
<p>Wir leben im 3. Jahrtausend: Es wird Zeit, dass wir unsere Geschicke selbst in die Hand nehmen. Es wird aber auch Zeit, dass wir dafür die richtigen Werkzeuge in die Hand bekommen. Auf dem Werkzeugkasten steht übrigens ein Motto:“Firmen nehmen die Bedürfnisse ihre Kunden ernst.“ Sollte dieses Motto nicht Teil der Firmenphilosophie sein, muss dem Marktteilnehmer unverzüglich und nachhaltig der Zugang zum nationalen Markt verwehrt werden. Denn dann ist das Gleichgewicht an einer Stelle gestört, die der einzelne Kunde niemals ausgleichen kann. Genau dann brauchen wir auch eine behördliche Aufsicht. Wenn wir es nicht schaffen, am Beispiel des Internet und dem Datenschutz, die Firmen zu demokratischen Gepflogenheiten zu bewegen, wird uns der gesamte Marktapparat in die Luft fliegen. Es könnte sein, dass damit auch die soziale Marktwirtschaft abfackelt. Denn Kunden sind auch Mitarbeiter, Aktionäre und potenzielle Ideengeber. Innen und außen sind schon lange nicht mehr klar zu trennen.</p>
<p>Dabei ist das Datenschutzrecht in der aktuellen Diskussion ein Symptom dafür, dass das Anpassen jahrzehntealter Regelungen nur bedingt sinnvoll ist. Denn der Regelungsumfang des Datenschutzes korrespondiert in keiner Weise mit seinem räumlichen Anwendungsgebiet. Wir kennen dieses Problem auch aus der Finanzwelt, wo uns zwei Jahre lang versprochen wurde, dass den Turbulenzen der wildgewordenen Investmentbanker Einhalt geboten wird durch klare Regeln. Mit Hinweis auf den globalen und blitzschnellen Hochfrequenzmarkt der Banker, der nur auf Computer und schnelle Internetanbindungen angewiesen ist, werden nun politisch motiviert kleinlaute Begrenzungen eingeführt. Dabei sind in vielen Fällen die Großinvestoren, die institutionellen Anleger und die Spekulanten an härteren, aber klaren Regeln durchaus interessiert. Auch hier wäre es durchaus schlau, die Anbieter und die Kunden in einen direkten Austausch zu setzen. Nicht wenige Millionäre wollen eine Finanztransaktionssteuer für soziale Zwecke. Warum verhandeln sie das nicht direkt mit der Börse und den Finanzdienstleistern? Parteien und öffentliche Banken haben bisher selten bewiesen, dass sie schlauer sind als ihre Wähler und Kunden. Die so erzielten Einnahmen könnten direkt und fast ohne staatlichen Verwaltungsaufwand &#8211; außer der Kontrolle &#8211; an soziale und karitative Einrichtungen überwiesen werden, ganz schlank nach dem Schlüssel der zu betreuenden Personen und deren Bedarf. Dabei wird weder der Staat noch die Politik abgeschafft. Sie erhalten dann einfach die Aufgaben, die sinnvoll sind mit dem nationalen und föderalen Apparat: Kontrolle, Aufsicht und Sanktionierung sowie dem Anpassen der Gesetzgebung an die aktuelle Diskussion der Marktteilnehmer. Der ganze Bereich gesellschaftlichen Lebens, der keinem Markt unterliegt verbleibt auf diese Weise beim bisher bekannten Modell des Volkssouveräns. Die Änderungen würden nur in einem wichtigen Bereich stattfinden: Wir haben jahrelang gesehen, was passiert, wenn die Anbieter entfesselt werden. Es wird nun Zeit, auch die Kunden zu entfesseln.</p>
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		<title>Zwischen Natur und Geist</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 07:55:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[geist]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Bisher galten die Natur und die Kultur als unversöhnliche Geschwister der Schöpfung höherer Wesen. Aber in dem vermeintlichen Abgrund lebt eine Subkultur: Die Komplexität und die Emergenz. Als Kain und Abel ihre Bruderzwistigkeiten ins dramatische Fach verlegten, hatten sie noch keine Vorstellung davon, dass ihre Urenkel Tausende Jahre später den alten Streit noch immer ausfechten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bisher galten die Natur und die Kultur als unversöhnliche Geschwister der Schöpfung höherer Wesen. Aber in dem vermeintlichen Abgrund lebt eine Subkultur: Die Komplexität und die Emergenz.</p>
<p>Als Kain und Abel ihre Bruderzwistigkeiten ins dramatische Fach verlegten, hatten sie noch keine Vorstellung davon, dass ihre Urenkel Tausende Jahre später den alten Streit noch immer ausfechten müssen. Je nach Bedürfnislage kriegen sich die Streithähne über Ackerland, Vieh, Frauen und seit einigen Jahrhunderten sogar wegen ihrer Götter in die Haare. Und dass, obwohl bis zum heutigen Tag noch niemand einem Gott begegnet ist. Aber auch der Natur und der Kultur hat bis heute noch keiner die Hand geküsst oder ein Haar gekrümmt. Und doch ist das Tischtuch zwischen Geistes- und Naturwissenschaftlern zerschnitten – und zwar mit Gründen&#8230;<span id="more-2740"></span></p>
<p>Im Vordergrund liegen genau auf den möglichen Begegnungstätten unverrückbare Steine wie der naturwissenschaftliche Glaube an die strikte Trennung zwischen Erkenntnissubjekt und dem Erkenntnisobjekt, also dem Beobachter und seinem Untersuchungsgegenstand. Aber schon der Atomforscher Heisenberg konnte nachweisen, dass der Experimentator keinen kleinen Einfluss auf seine Untersuchung hat. Das war Wasser auf die Mühlen des ungeliebten Bruders. Denn dem Geisteswissenschaftler genügen die Erkenntnisse über grundlegende Gesetze der Natur nicht. Er hält der anderen Fraktion vor, nur Beziehungen zwischen den Sachen zu betrachten. Das Verstehen der Sache selbst, das soll die wahre Aufgabe sein. Außerdem sei es schlicht unmöglich, den Beobachter vom Objekt zu trennen, da man nur die Inhalte der Wahrnehmung zur Verfügung habe. Wie die Sachen wirklich seien, könne man doch sowieso nicht von außen erkennen. Und fortan vertrieb man sich die Zeit mit allerlei Interpretationen und Auslegungen des Menschen. Die Naturwissenschaftler kümmerten sich um den beträchtlichen Rest der Schöpfung.</p>
<p>Doch als man dann langsam aber sicher auf die letzten Fragen stieß, wurde es unruhig im Staat der Naturbetrachter: Was ist unser Ursprung? Und wer denkt ihn uns?</p>
<p>Im Rahmen des anhaltenden Siegeszuges der Biologie wurde kurzerhand alles, was zuviele Daten im Labor produzieren würde, um sie sinnvoll zu analysieren in große Beutel gepackt. Dort klebte man dann Etiketten wie“Komplexität“ drauf. Diese Beutel enthielten alles, was sehr viel war. Auf anderen Beuteln kam das Etikett “Emergenz“. Das waren die Sammel-Beutel, in die man die einzelnen Komplexitätssäcke gepackt hatte. Denn es zeigte sich, dass vor allem dort wo sehr viel zu beobachten war, auch ganz neue Wirkungen auftauchten, die man im Labor weder vorhergesagt noch erzeugt hatte. Diese Inflation an möglichen Untersuchungsgegenständen packte man in geräumige Keller. Jede Kellertür bekam ein Türschild mit einem zusammengesetztem Wort, das mit dem Grundwort System endete. Damit waren alle Gesetze der Welt erkannt und benannt. Und der Rest, wir kennen das alle von der Division, den könnte man zwar nochmal genau aufdröseln. Aber was nützt schon die sechste Zahl nach dem Komma, wenn man das große Ganze im Blick hat.</p>
<p>Die Geisteswissenschaftler waren eine zeitlang perplex. Gerade aus der Biologie, die als besonders strenge und präzise Disziplin bekannt war, kam nun die neue Kunde, alles was eine enorme Fülle an Daten und damit potenzieller Information zu produzieren drohte , wurde nun einfach beachränkt, in der Fachsprache: normalisiert. Normalisieren ist ein Vorgang, den die Biologie aus der Mutterwissenschaft aller Naturwissenschaften entlehnt hatte. In der Mathematik und Statistik bedeutet die Skalierung eines Wertebereichs einer Variablen auf einen bestimmten Bereich zu beschränken. Auf diese Weise kann man Ergebnisse vergleichen, deren Vergleich sonst seltsam erscheinen würde &#8211; also etwas das Bruttosozialprodukt eines Landes pro Kopf und die Geburtenrate. Denn wenn man vergleichen kann, ob das Bruttosozialprodukt eines Landes pro Kopf steigt und gleichzeitig die Geburtenrate sinkt, dann kann jeder Leser oder Zuschauer prima erkennen, dass auf einer Zeitleiste beide Zahlen eine gegenläufig Entwicklung durchmachen. Vor allem wenn gar kein kausaler Zusammenhang anderweitig erklärbar wäre, könnte man allein durch die beiden Zahlenreihen den Menschen sonstwas damit plausibel machen. Zum Beispiel die Tatsache, dass westliche Länder wegend es hohen Pro-Kopf-Einkommens so wenig Kinder bekommen. Schlichten Gemütern kann man mit solchen Intuitionspumpen eine Menge “Information“ einflößen. Politiker tun das gern. Sie lieben Statistik. Geht das Einkommen gegen eins, geht die Geburtenrate gegen null. Ist natürlich Quatsch, ist ja auch nur ein Beispiel. Ähnliches könnte man &#8211; rein theoretisch &#8211; mit dem Bildungsgrad von Frauen und ihrer Kinderzahl durchführen.</p>
<p>In der Mathematik bedeutet dieser Vorgang das Ausblenden von sogenannten Skaleneffekten. Mit dem müssen sich vor allem Physiker rumschlagen, denn Metalle und elektrische Ströme verhalten sich auf Mikroebene ganz anders als auf Makroebene. Die Wissenschaftler, die sich um System kümmern, haben angesichts dieser Effekte allerdings keine bedenken. Das hat seinen Grund. Denn in den Achtziger Jahren, als die Systemtheorie ihren ersten Aufschwung erlebte, da gab es noch gar keine Untersuchungsgeräte für die kleinste Mikro- oder gar Nanoebene, die einen zeitlichen Prozess darstellen konnte. Das heutige Problem der Skalierung gab es so noch nicht. Dass die Schwerkraft in dieser Welt des kleinsten praktisch zu vernachlässigen ist, war damals nicht von Belang.</p>
<p>Und so entstand aus der biologischen Systemtheorie in der ersten Hälfte des 2o. Jahrhunderts die Theorie der Systeme aus der Betrachtung des Lebens. Ludwig von Bertalanffy konzipierte seine Systemtheorie als übergreifende Methode, die gemeinsame Gesetzmäßigkeiten in physikalischen, biologischen und sozialen Systemen finden und formalisieren sollte. Wichtige Prinzipien aus seinem Erklärungsmodell sind vor allem das Gleichgewicht die Selbstorganisation, Rückkopplungen und Komplexität. Ging es hier noch darum, einfach die anwesende Kräfte der Natur im Organismus zu betrachten in Bezug auf einen angenommenen idealen Zustand, kam später eine übergeordnete steuernde Ebene dazu. Es wurde sozusagen der Wille ins Spiel gebracht: Denn die Kybernetik als Theorie des Steuerns von Kreisläufe erweiterte die reine Naturbetrachtung in Richtung auf Motive, denn sowohl Organismen wie auch Maschinen sollten in Handlungen oder Prozessen beschrieben werden. Und an dieser Stelle kommt der Lieblingsbegriff des letzten Jahrhunderts ins Rennen: die Information. Die mathematische Informationstheorie bringt nun einen besondere Idee mit, die Entropie, dass ist ein Maß an universaler Unordnung, die man zuerst erkannt hat bei der Betrachtung von Wärmeenergie, die unwiederbringlich frei wird. Es ist also eine Energieform, die man nicht mehr nutzen kann im Rahmen eines Systems. So wie der heiße Atem im Winter, der noch als nutzloser Dampf verpufft, der aber in England bereits in Bahnhöfen genutzt wird, um Heizkosten zu sparen.</p>
<p>Information ist demgegenüber der Wert an Ordnung oder Dichte in einem Strom von Zeichen. Dabei geht es nicht um Bedeutung sondern um die Anzahl der Zeichen in Bezug zu ihrer Wahrscheinlichkeit des Auftretens. Zufällige Zahlenfolgen sind als Entropie bekannt, im gebildeten Volksmund nennt man es eher Rauschen. Es kann von weitem wie Komplexität aussehen. Auch das ist ein Skaleneffekt. Eines Tages könnte man vielleicht sogar die Ordnung des Zufälligen als absichtsvoll und informativ erkennen. Bis dahin müssen wir noch mehr Werte als wahr und unwahr erarbeiten, wenn wir einen sinnvollen Kontext zwischen Realität und Wirklichkeit herstellen wollen. </p>
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		<title>Datenschutz für oder gegen die Nutzer?</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Aug 2011 18:14:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Netz]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Schleswig-Holsteinischer Datenschützer legt sich mit Facebook an. Facebook hortet illegale Kinderprofile, ruft ein anderer Datenschutzbeauftragte. Es wäre Zeit zu reden. Denn die in solchen Meldungen verborgene Aufgabe kann uns zu einer Neubestimmung der sozialen Marktwirtschaft inspirieren&#8230; Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte man eine lukrative Karriere mit einer Vortragsreihe über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Schleswig-Holsteinischer Datenschützer legt sich mit Facebook an. Facebook hortet illegale Kinderprofile, ruft ein anderer Datenschutzbeauftragte. Es wäre Zeit zu reden. Denn die in solchen Meldungen verborgene Aufgabe kann uns zu einer Neubestimmung der sozialen Marktwirtschaft inspirieren&#8230;<span id="more-2737"></span></p>
<p>Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte man eine lukrative Karriere mit einer Vortragsreihe über das Ende der Nationalstaaten realisieren. Jetzt im Jahr 20 nach der neuen Zeitrechnung des weltweiten Datennetzes für jedermann ist der Nationalstaat im Netz oft ein zahnloser Tiger. Millionen von Bürgern vertrauen Kreditkartenfirmen und Rabattdienstleister ihr Innerstes an: ihr Konsumverhalten. Es ist eigentlich gar kein Problem, mithilfe dieser Daten ein Bewegungsprofil und eine Studie über Charaktereigenschaften zu erstellen. Keinen störte das bisher. Im Internet gilt so ein Verhalten der Firmen als verwerflich. Denn die Firmen sind im Niemandsland namens USA. Dort passieren allerlei böse Dinge mit dem Klickverhalten unbescholtener Bundesbürger im geliebten Internet. Allen voran sind Google und Facebook die Bösewichter par excellence. zumindest haben uns das viele so gesagt – in Talkshows, in Artikel und am Stammtisch. Und wir, die normalen Nutzer der Webdienste, sind die lahmen Enten, die keine Ahnung von Technik haben und daher auch nicht wissen dürfen oder müssen, was eigentlich mit unseren Daten gemacht wird.</p>
<p>Als Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Kiel auf der Basis einer ersten Studie zur Datenerhebung von Facebook dieser Tage alle Webseitenbetreiber mit empfindlichen Geldbußen bedrohte, ging ein Sturm durch das Internet. Jeder kleine Blogger, der den Like-Button (also die Gefällt-Mir-Funktion mit dem Daumen) einbindet, kann sich auf ein Bußgeld von 50.000 Euro einstellen. Auch die Firmen, die teure Social Media Berater bezahlen, um eine eigene Fanpage bei Facebook zu nutzen, sollen ran ans Portemonnaie.</p>
<p>Wer das Thema Datenschutz länger verfolgt hat, muss feststellen, dass selten technischer Sachverstand und juristisches Wissen gemeinsam auftreten. Dieses Phänomen betrifft genauso die radikalen Datenschützer wie vermeintlich liberale Kräfte im Netz. Sie sehen schon ein Zeitalter herannahen, wo die Privatsphäre überflüssig zu sein scheint. Klar ist, dass das Flickwerk Datenschutzrecht nicht mit den Entwicklungen im weltweiten Datennetz mithält. Und so verwundert es auf den ersten Blick auch nicht, wenn die selbst ernannte Lobby der Internetnutzer namens Digitale Gesellschaft in Gestalt von Markus Beckedahl auf die Politiker verweist, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten. Auf den zweiten Blick ist es eine seltsam verkürzte Einschätzung der schon lange brodelnde Suppe aus Vorurteilen, Meinungen, Marktmacht und Ohnmacht der Datenschützer. Vor allem ist das Delegieren von öffentlichen Aufgaben an Politiker wohlfeil, aber immer seltener zielführend. Außerdem reagiert Facebook kaum auf irgendwelche Schreiben der Behörden oder publikumswirksame Austritte von Politikern. Und dass, obwohl auch eine Supermacht wie Facebook mit 750 Millionen Nutzern eine Interesse daran hat, dass klare Verhältnisse herrschen. Und auch das Beispiel Kreditkarten und Rabattservices zeigt, dass viele Bürger gar nicht abgeneigt sind, Daten an fremde Firmen zu geben, sofern das einen Nutzen verspricht.</p>
<p>Wenn aber die Firmen und die Nutzer die Aufgabe des Datenschutzes gar nicht transparent diskutieren sondern alles den Behörden überlassen, dann bleibt die Situation zwischen radikalen Datenschützern und libertären Firmen und Webnutzern gespannt. Jede Woche werden dann wieder Menschen verunsichert durch Urteile, konzertanten Aktionen und unfassbare Firmenentscheidungen, die vor allem eines fördern: mangelndes Vertrauen und Ratosigkeit. Aber gerade das Netz birgt noch soviel Potenzial für moderne Gesellschaften, dass es nachgerade unverantwortlich ist, den Regelungsrahmen allein Juristen und Ökonomen oder gar Politikern zu überlassen.</p>
<p>Wer Milliarden Liter von Erdöl bei den Pendlern einsparen will, der muss das Datennetz als Infrastruktur auffassen, die verlässlich ist für Firmen und Kunden. Denn dann arbeiten die Leute von zuhause aus, versorgen dort ihre Angehörigen und verplempern nicht Stunden mit dem Anstehen in Schlangen vor einer Kasse oder im morgendlichen Stau. Es wird also Zeit, dass wir selbst diskutieren, was wir im Netz wollen und was nicht.</p>
<p>Leider ist dieser Diskurs zurzeit behindert durch Experten, die technische Sachverhalte unnötig komplizieren und juristische Fallstricke überall dort aufbauen, wo Menschen ihr tägliches Leben in eine moderne Struktur bringen müssen. Transparenz entsteht nicht dadurch, dass Funktionen im Internet beschränkt werden. Das Leben im digitalen Zeitalter wird jedoch auch nicht lebenswerter, wenn all unsere Aktionen im Internet über Jahre gesammelt und mit Vor- und Zunamen abgespeichert werden. Die nötigen Diskussionen, welche Vorteile wir wollen und welche Nachteile wir dafür bereit sind in Kauf zu nehmen, müssen wir direkt mit den Supranationen namens Google, Facebook und Apple führen. Es wäre an der Zeit, das Internet als Plattform zu nutzen, um als Kunden direkt mit den Firmen zu verhandeln. Dazu sollten die Firmen all die Daten, die sie brauchen spezifizieren. Jedes Land kann dann in Gestalt seiner dortigen Kunden abstimmen, welche Funktionen und welche Datenerhebung das zur Folge hat. Diese Diskussionen sind einerseits Teil der Kundenbindung und eines kritischen Konsums auf der Gegenseite.</p>
<p>Wir leben im 3. Jahrtausend: Es wird Zeit, dass wir unsere Geschicke selbst in die Hand nehmen. Es wird aber auch Zeit, dass wir dafür die richtigen Werkzeuge in die Hand bekommen. Auf dem Werkzeugkasten steht übrigens ein Motto:“Firmen nehmen die Bedürfnisse ihre Kunden ernst.“ Sollte dieses Motto nicht Teil der Firmenphilosophie sein, muss dem Marktteilnehmer unverzüglich und nachhaltig der Zugang zum nationalen Markt verwehrt werden. Denn dann ist das Gleichgewicht an einer Stelle gestört, die der einzelne Kunde niemals ausgleichen kann. Genau dann brauchen wir auch eine behördliche Aufsicht. Wenn wir es nicht schaffen, am Beispiel des Internet und dem Datenschutz, die Firmen zu demokratischen Gepflogenheiten zu bewegen, wird uns der gesamte Marktapparat in die Luft fliegen. Es könnte sein, dass damit auch die soziale Marktwirtschaft abfackelt. Denn Kunden sind auch Mitarbeiter, Aktionäre und potenzielle Ideengeber. Innen und außen sind schon lange nicht mehr klar zu trennen.</p>
<p>Dabei ist das Datenschutzrecht in der aktuellen Diskussion ein Symptom dafür, dass das Anpassen jahrzehntealter Regelungen nur bedingt sinnvoll ist. Denn der Regelungsumfang des Datenschutzes korrespondiert in keiner Weise mit seinem räumlichen Anwendungsgebiet. Wir kennen dieses Problem auch aus der Finanzwelt, wo uns zwei Jahre lang versprochen wurde, dass den Turbulenzen der wildgewordenen Investmentbanker Einhalt geboten wird durch klare Regeln. Mit Hinweis auf den globalen und blitzschnellen Hochfrequenzmarkt der Banker, der nur auf Computer und schnelle Internetanbindungen angewiesen ist, werden nun politisch motiviert kleinlaute Begrenzungen eingeführt. Dabei sind in vielen Fällen die Großinvestoren, die institutionellen Anleger und die Spekulanten an härteren, aber klaren Regeln durchaus interessiert. Auch hier wäre es durchaus schlau, die Anbieter und die Kunden in einen direkten Austausch zu setzen. Nicht wenige Millionäre wollen eine Finanztransaktionssteuer für soziale Zwecke. Warum verhandeln sie das nicht direkt mit der Börse und den Finanzdienstleistern? Parteien und öffentliche Banken haben bisher selten bewiesen, dass sie schlauer sind als ihre Wähler und Kunden. Die so erzielten Einnahmen könnten direkt und fast ohne staatlichen Verwaltungsaufwand &#8211; außer der Kontrolle &#8211; an soziale und karitative Einrichtungen überwiesen werden, ganz schlank nach dem Schlüssel der zu betreuenden Personen und deren Bedarf. Dabei wird weder der Staat noch die Politik abgeschafft. Sie erhalten dann einfach die Aufgaben, die sinnvoll sind mit dem nationalen und föderalen Apparat: Kontrolle, Aufsicht und Sanktionierung sowie dem Anpassen der Gesetzgebung an die aktuelle Diskussion der Marktteilnehmer. Der ganze Bereich gesellschaftlichen Lebens, der keinem Markt unterliegt verbleibt auf diese Weise beim bisher bekannten Modell des Volkssouveräns. Die Änderungen würden nur in einem wichtigen Bereich stattfinden: Wir haben jahrelang gesehen, was passiert, wenn die Anbieter entfesselt werden. Es wird nun Zeit, auch die Kunden zu entfesseln.</p>
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		<title>Der Feind im Wir</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 13:57:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Dunkle Motive schlummern in jedem von uns. Manche Lebenssituationen können sie ans Tageslicht bringen. Ob unsere Kultur sie bändigen kann? Es scheint ein Kind der mächtigen Naturwissenschaft: das Suchen der Ursachen für das Böse in psychischer Krankheit. So wundert es nicht, dass uns der große Antipode des Guten nur noch in einer kränkelnden Form erscheint, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.multiasking.net/wp-content/uploads/2011/07/sitka.jpg"><img src="http://www.multiasking.net/wp-content/uploads/2011/07/sitka.jpg" alt="" title="sitka" width="240" height="220" class="alignright size-full wp-image-2734" /></a>Dunkle Motive schlummern in jedem von uns. Manche Lebenssituationen können sie ans Tageslicht bringen. Ob unsere Kultur sie bändigen kann?</p>
<p>Es scheint ein Kind der mächtigen Naturwissenschaft: das Suchen der Ursachen für das Böse in psychischer Krankheit. So wundert es nicht, dass uns der große Antipode des Guten nur noch in einer kränkelnden Form erscheint, aber Schwäche ist sicher die falsche Unterstellung. Vor nicht allzu langer Zeit sprach man beim Guten noch von Fruchtbarkeit oder Eros. Damit hatte der denkende Mensch noch so gerade eben beschreiben dürfen, was das Individuum zum anderen treibt, ohne ein Tabu zu brechen. Die Romantik trieb diese Hinwendung zum anderen in sakrale Höhen&#8230;<br />
<span id="more-2733"></span> </p>
<p>Weit vor der christlichen Teilung der Welt in Gutes und Böses lag das Tabu. Es war die höchste Form des ungeschriebenen Gesetzes. Es war sprach- und mundlos. Schon an den Höhlenmalereien des Jung-Paläolithikums können wir erkennen, dass ein Bewusstsein des Todes und die überwältigende Kraft der Sexualität in künstlerischer Aktion manifestiert wurden. Später im Christentum wird dies zum Begriff des Diabolischen zusammen gedacht und mit Verboten belegt. Immer wieder bricht jedoch diese enge kulturelle Bindung zwischen der Kraft des Erotischen und dem Vergehen im Tod auf. In allen Kulturen werden Tabus errichtet, um sie zu bändigen. </p>
<p>Mit den monotheistischen Religionen erfahren die Menschen am Ende der Antike eine Vereinfachung des Alltags. Feste Rituale, die nur auf einen einzigen Gott bezogen werden, erleichtern das Leben und das Einordnen überwältigender Erfahrungen in Abseitiges, Schmutziges und Unreines. Die Zeit der mühseligen Arbeit beginnt auf den Schultern des Einzelnen zu lasten.</p>
<p>Doch die moderne Zeit setzt das Individuum an die Stelle des einen Gottes und wirft dem Einzelnen damit den Fehdehandschuh hin. Denn nun muss er oder sie sich selbst mit der Gemeinschaft auseinandersetzen. Die Feudalherrschaft teilt die Menschen von Geburt an in freie und unfreie Teilnehmer am kulturellen Leben ein. Die tägliche Pflicht und Arbeit entfernt laut dem französischen Philosophen Georges Bataille den Menschen von der Kraft die aus dem sexuellen Bereich ins Leben einwirkt. In der Folge fokussieren wir uns immer mehr an zweckorientiertem Denken. Das Suchen und Finden eines Partners bleibt als einzige Kraft, das zweckdienliche Leben und das beladene Ich in einem Akt zu überwinden. Doch genau das wird von der christlichen Religion immer weiter ausgegrenzt. Übrig bleibt ein einsames Ich, dass sich nicht ohne Scham dem anderen Geschlecht nähern kann.</p>
<p>Das Herstellen von Werkzeugen und Waffen tritt früh an die Stelle der reinen Instinkte. Es gab bis in unsere Zeit Urvölker, die den genauen Zusammenhang zwischen Wollust und der Geburt von Kindern nicht kannten. Aber sie waren in der Lage, für die täglichen Verrichtungen Hilfen zu erstellen. Mit diesen Geräten konnten sie besser jagen, Früchte sammeln und Getreide anbauen. Das führte zur Speicherung von Nahrungsmitteln. Dieser Überfluss erlaubte es den Menschen in Muße nachzudenken und die Anfänge der Wissenschaft zu kreieren. Vor allem aber rief das angehäufte Vermögen an Nahrung den Neid von Menschen auf den Plan, die sich statt mit Werkzeugen zum Getreideanbau mit Werkzeugen der Kriegskunst auskannten.</p>
<p>Diese Art der Beschaffung von Nahrungsmitteln wurde schnell um das Erobern von Territorien erweitert. Später kam das Erobern von Menschen hinzu: die Sklaverei und mit ihr die Prostitution. Da Krieg als Arbeit galt, wurden besonders fleißige Kriegsarbeiter mit Frauen belohnt. Der deutsche Philosoph Hegel bezeichnet den Sklaven als der Archetypus des fleißigen Menschen und  präsentiert ihn damit als die historische Ursache unseres heutigen materiellen Wohlstandes.</p>
<p>Aber manchmal passiert es heutzutage Menschen, dass jemand schon qua Geburt zu Wohlstand gelangt. Dann ist er gar nicht mehr in der Position sich Kraft der eigene Fähigkeiten Territorium, Nahrung und Partner für die Liebe zu verschaffen. Seit dem Siegeszug des fleißigen Sklaven ist der Krieger fast überflüssig. Aber in ihm hebt die Kultur noch immer die diabolische Verbindung zwischen Tod und Eros auf. Leider hatte die christliche Religion die körperliche Liebe mit einem Verbot belegt. Damit erhält die natürlichste Sache der Welt einen sakralen Schein. Bataille schreibt: „Das Verbot überträgt seinen Eigenwert auf den betroffenen Gegenstand.“ Wenn nun ein männlicher Mensch mit einem geringen Wertbewusstsein seines Ichs, also wenig Anerkennung im Leben, eine unerreichbare, und durch das Verbot überhöhte Frau erlebt, die einfach nur ein normaler selbstbewusster Mensch ist, dann kann er eine tiefe Kränkung erleben. Er wird eine Weile versuchen, mit Fleiß und zweckorientiertem Denken Eintritt in die Gemeinschaft zu erhalten. Aber dort herrscht nicht die Kraft, die von der sexuellen Aktivität ausgeht. Dort herrscht nur der blanke Zweck, das Totem des Pragmatismus in Gestalt der beruflichen Bildung. </p>
<p>Gelingt es ihm nicht an seine natürliche menschliche und gemeine Quelle zu kommen. Dann tobt das Individuum bis zur Raserei des Zwecks. Jeder halbwegs zweckdienliche Gedanke wird zum Sakralen erhoben. So kann es für die einsame Seele zumindest eine kleine Vereinigung in der Klausur geben. Aber im Inneren pocht die Seele beständig an die Tür des Bewusstseins und verlangt Einlass in die Welt.</p>
<p>Der letzte rettende Gedanke ist, einfach die Welt zu zerstören, damit es außen genauso einsam aussieht, wie es sich innen anfühlt. </p>
<p>Die Frage bleibt, ob es sinnvoll ist, den Zweck über alles zu stellen und das Einzige was wir erleben können, um das Projekt Individuum zeitweise zu vergessen &#8211; die sexuelle Vereinigung &#8211; so scheinheilig auf Plakate zu kleben oder in die heiligsten Hallen der Religionen zu sperren. Die Aufklärung ist vorbei, es wird Zeit, Natur und Kultur lebendig zu vereinen. </p>
<p>Ein erster Schritt könnte darin liegen, uns selbst zu beobachten. Was tun wir der jungen Generation an, wenn wir sie einschwören auf eine unbedingte Nutzbarkeit im Berufsleben oder als Sexobjekt? Was ist der tiefere Sinn einer jugendlichen Scheinoffensive, um dem Arbeitgeber zu vermelden, dass Altersweisheit neuerdings ohne Falten erreichbar ist. Ist es wirklich schlau, das Individuum, das ehemals die Macht der Kirchen brach, jetzt zu degradieren zu einem ziellos umherirrenden Konsumkasper?</p>
<p>Wir sollten dem Attentäter in uns helfen. Dann helfen wir auch den Opfern der Zukunft. Denn dann werden sie immer weniger. </p>
<p>Quelle der <a href="http://www.flickr.com/photos/23513351@N07/" title="Native Seals">Grafik</a></p>
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		<title>Archäologie der Argumente</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 19:08:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Breivik]]></category>
		<category><![CDATA[Eigene Nase]]></category>
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		<description><![CDATA[Der junge Mann aus gutem Hause hat eine gute Ausbildung genossen. Das goutieren die vielen anderen Menschen aus gutem Hause. Sie funktionieren daher genauso wie es vorgesehen war: Jeder sucht aus dem norwegischen Plagiat genau das raus, was ihm oder ihr als Feindbild in den Kram passt. So finden die Feministinnen seinen Frauenhass bedenkenswert, manche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der junge Mann aus gutem Hause hat eine gute Ausbildung genossen. Das goutieren die vielen anderen Menschen aus gutem Hause. Sie funktionieren daher genauso wie es vorgesehen war: Jeder sucht aus dem norwegischen Plagiat genau das raus, was ihm oder ihr als Feindbild in den Kram passt.</p>
<p>So finden die Feministinnen seinen Frauenhass bedenkenswert, manche erkennen fundamentalistische Lehrmeinungen oder gar nationalistische Leitbilder.</p>
<p>Ein Glück, dass zumindest die norwegischen Richter nicht auf ihren Knöpfen rumdrücken lassen und die ganze Chose nicht coram publico durchkauen. Er bekommt dort keine Öffentlichkeit. Damit könnten die vielen Versatzstücke geistiger Tätigkeit genau dort bleiben, wo sie hingehören.</p>
<p>Aber jetzt wird alles hübsch genau da publiziert, wo es sonst nie stattgefunden hätte.</p>
<p>Sicher, einige Zeitgenossen werden nun erklären, dass man genau diese &#8220;kruden Thesen&#8221; im Licht der Öffentlichkeit diskutieren muss. Muss man das? Vor allem dann, wenn man das eigene Unverständnis gegenüber diesem Mann und diesen Ideen vor allen Menschen paaren muss mit der eigenen Ohnmacht?</p>
<p>Es wäre sicher hilfreich gewesen, auf den &#8220;enemy within&#8221; zu verweisen, so wie es Johann Galtung tat. Aber dann könnte man sich nicht an diesem 1500 Seiten langen Strohalm festhalten. Dann müsste man die Reflexion nach innen beugen, in das Innerste unserer Gesellschaft. Da ist aber keine Mitte! Da sind wir&#8230;<span id="more-2730"></span></p>
<p>Leider hat der aufgeklärte Impetus aus Norwegen, der direkt nach den Nachrichten zu uns herüberschwappte keinerlei Denkpause eingeleitet. So haben die neuen Informationen die alten Schalter gedrückt und dieselben Phrasen aus den &#8220;Experten&#8221;, Journalisten und Politikern entlockt. Und mit diesen reflexhaften Analysen des Texts, der Internetnutzung und all der 1001 Attribute, die uns ermöglichen NICHT auf uns selbst zu schauen als mögliche Ursache, haben wir all den Nachahmern des Unabombers, McVeighs und all der ungezählten anderen ein weiteres Mal das Feld überlassen. </p>
<p>Gewalt ist eine Überschreitung der Grenzen. Sie war vor vielen Monden ritualisierter Teil jeder Gesellschaftsform. Es mag stimmen, dass er Probleme mit Frauen hatte, es wird sicher auch stimmen, dass seine Familiensituation traumatisch war, sein Serotonin-Spiegel zu niedrig war. Aber das ist auch bei 3.276.987 anderen europäischen Männern in seinem Alter der Fall. 23.986 davon tendieren sicher auch in die eine oder andere Richtung der Metageschichten, die er sich jeden Tag einredete, um sein Leben auszuhalten, egal ob es Frauenhass oder christlicher Fundamentalismus ist. </p>
<p>Aber der Mensch entscheidet unbewusst. Rationale Gründe erfinden wir immer erst nachher. Er hat dieses gigantische Plagiat geschrieben, um sich selbst vor seinen eigenen Gefühlen betrügen zu können, die er nicht aushielt. Wir sollten nicht den Fehler machen und diesen Betrug auch zu decken durch unsere penetranten Analysen, die nur unsere Vorurteile füttern und damit das eigentliche Problem überdecken: Warum verraten viele von uns irgendwann im Leben sich selbst und die innersten Gefühle, nur um am Leben der Gemeinschaft teilnehmen zu können? Und warum verlangt die Gesellschaft so eine emotionale Amputation?</p>
<p>Möglicherweise wäre es dann auch mal Zeit, darüber nachzudenken, welche Bestrafung all die privaten und institutionellen Anleger erfahren sollen, die ihre Gelder in Fonds Geld stecken, die mit Warentermingeschäften am Nahrungsmittelmarkt mitverdienen. Denn so etwas verschärft die Situation für Hunderttausende Afrikaner und in anderen Kontinenten. Aber da dort kein wirrer, frustrierter Norweger rumschiesst, scheint das viel zu vielen Empörern egal zu sein.</p>
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		<title>Boulevardjournalismus zweiter Ordnung</title>
		<link>http://www.multiasking.net/boulevardjournalismus-zweiter-ordnung</link>
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		<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 15:56:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitalien]]></category>
		<category><![CDATA[Attentat]]></category>
		<category><![CDATA[Norwegen]]></category>
		<category><![CDATA[System]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Aufklärung ist der heilige Gral vieler professioneller Informationisten. Vor allem Journalisten und Publizisten tragen ihre Insignien im eigenen Wappen, wenn es zu Felde geht. Wenn man aktuell die sozialen Netzwerke und Zeitungen durchforstet, findet man viele, die vorschnelle Ursachenzuschreibungen geißeln. Einige sind besonders weit voraus und erkennen den Unabomber im Manifest des norwegischen Attentäters. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Aufklärung ist der heilige Gral vieler professioneller Informationisten. Vor allem Journalisten und Publizisten tragen ihre Insignien im eigenen Wappen, wenn es zu Felde geht. Wenn man aktuell die sozialen Netzwerke und Zeitungen durchforstet, findet man viele, die vorschnelle Ursachenzuschreibungen geißeln. Einige sind besonders weit voraus und erkennen den Unabomber im Manifest des norwegischen Attentäters. </p>
<p>Sie werden bald arbeitslos. Denn exakt diese Tätigkeit übernimmt schon der Computer. Das Erkennen von Mustern anhand von Texten. Dann werden bestehende und dokumentierte Fälle rausgesucht und wie im amerikanischen Case Law wird einfach subsummiert. Und ganz im Sinne der positiven Sozialwissenschaften wird die Erklärung gewählt, die die geringsten Annahmen und Parameter voraussetzt. Neuerdings (seit den 80ern) werden prägende historische Überlieferungen, die nicht reflektiert sondern perpetuiert werden ab einem bestimmten Stadium als Pfade bezeichnet. Solche Pfade tun sich hier auch wieder auf. Die Aufklärung, die angetreten war, die Leute anzuleiten, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen ist verkommen zu einem Pfade entlang der Laternen, die schon jemand hingehängt hat. Das ist aus Sicht des Journalismus fatal, weil ständig Bekanntes auf neue Einzelfälle angewandt wird. Der Wert dieser Texte geht gegen null. Das Gehirn des Lesers erhält keine neue Perspektive auf Altbekanntes sondern alte Perspektiven auf Neues&#8230;<span id="more-2720"></span> </p>
<p>Will man den Adepten des Internet und der Wissensgesellschaft Glauben schenken, müssten wir aktuell wieder eine <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Querelle_des_Anciens_et_des_Modernes">Querelle des Anciens et des Modernes</a></em> vorfinden, um alte Traditionen über Bord zu werfen. Doch viele Journalisten und Millionen von Kommentatoren im Netz tun nichts anders als der Google-Algorithmus: Sie verknüpfen Zufälliges mit bereits abgespeicherten Mustern. Sie mißachten dabei freie Assoziation, sie untergraben das, was eine humane Kultur wirklich entwickelt: Die Integration fremder Ideen, das Zulassen wesenfremder Morphologien in den Denkmustern &#8211; Individualität der alten Schule. </p>
<p>Nietzsche hat die Ewige Wiederkehr des Gleichen als Spirale gedacht, wir haben in diesem Bild die dritte Dimension vergessen. Wir leben in Kreisen. Sie klingt dennoch in dem lustigen Begriff der Komplexität an. Aber auch dort heben viele Denker nichts Anderes als zukünftige Erklärungen auf. Und so werden auch die Psychologen nicht müde entwicklungspsychologisch und tiefenpsychologisch auf Störungen in der Kindheit, auf Ich-Schwäche und Ähnliches abzuheben. Bald kommen Serotonin- und Dopamin-Spiegel dazu.</p>
<p>Wenn man die Wurzeln des Fundamentalismus untersucht oder die Sozialisation wird man nicht die Ursachen der Gewalt finden. Man wird hinter der Simulation eines mündigen Verstandes das finden, was sich bei jedem anderen Menschen auch befindet. Es ginge daher eher darum, den Attentäter in uns zu finden und nicht mittels einfacher Welterklräungen wie Fundamentalismus und Rechtsextremisums das ganze Thema als defiziente Persönlichkeitsentwicklung abzuspalten von der Gesellschaft und der postmodernen Kultur. </p>
<p>Die Räder der aufgeklärten Denkmaschinen sind einfach zu schnell mit dem Zeigen auf dumme, unverbesserliche Boulevardjournalisten. Diese Ebene der Reflexion ist zu flach, um Information oder gar Wissen zu transportieren. Sie ist höchstens Boulevardjournalismus zweiter Ordnung. Es ist aus unserer distanzierten Sicht auch nicht maßgeblich, die geistigen Brandstifter aufzuzählen oder sich mit Wissen über die alte Unabomber-Geschichte oder Timothy McVeigh zu brüsten. Denn wir haben jetzt alle Wikipedia. Und Google könnte uns eigentlich direkt beim Eingeben des Begriffs Norwegen oder Oslo in diesen Tagen aktuell mit Hunderttausenden assoziierten Inhalten zum Thema automatisiert versorgen. Das reflexhafte Verhalten der Journalisten zeigt eigentlich nur, wie nahe die automatisierte Presse den lebenden Vorbildern ist. Es geht nicht um den Algorithmus als Gefahr sondern den zu schnell zu Ende gedachten Text mit den hübschen rhetorischen Ranken, die kleine Notionen so geschmeidig ins Gehirn pumpen.</p>
<p>Trotzdem oder gerade deswegen halte ich an einem anderen Mantra fest, bis mir das Gegenteil evident ist. Es gibt kein System, das Universum ist indifferent.</p>
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		<title>Herr Biedermann besucht die Brandstifter</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jul 2011 11:53:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Digitalien]]></category>

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		<description><![CDATA[Viele Monate lang war es still um Herrn Also. Das war auch ganz gut. Hatte er doch einer germanischen Tradition gemäß die Daten naturwissenschaftlicher Forschung in einer Weise gedeutet, die große Kontexte erstellte: Das Denken sei vom Gen abhängig und eine bestimmte Religion und eine bestimmte Herkunft würde negative Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg haben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Monate lang war es still um Herrn Also. Das war auch ganz gut. Hatte er doch einer germanischen Tradition gemäß die Daten naturwissenschaftlicher Forschung in einer Weise gedeutet, die große Kontexte erstellte: Das Denken sei vom Gen abhängig und eine bestimmte Religion und eine bestimmte Herkunft würde negative Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg haben. Vor allem in großen Städten würden die falschen Gene eine mentale Tollwut auslösen. Akademisch arbeitende Biologen und Sozialwissenschaftler waren überrascht ob der Haltlosigkeit und des lächerlichen Dilettantismus der Thesen und Konklusionen. Aber Lamarck war ja auch einst ein erfolgreicher Denker, warum nicht auch Herr Also mit seiner genetischen Intelligenztheorie?<span id="more-2704"></span></p>
<p>In der Nachkriegszeit kam der Adenauerschen Politk das Verdienst zu, völkische und rassische Gedanken durch gsesllschaftliche Konzepte abzulösen. Trotz der Verhöhnung dieses aus Sicht der 68er-Bewegung restaurativen Denkens, war damit zumindest die Ära der biologisch inspirierten Sozialwissenschaft in weite Ferne gerückt. Von dort hatte sie ein ehemaliger Politiker aus Berlin, der auf eine ruhmlose Karriere zurückblicken konnte, wieder hervorgekramt. Er begann lustige biologistische Thesen aus dem Zwischenreich des Wünschens und Wollens mit allerlei statistischem Tand in einen Hamburger Mistwagen zu werfen. Am Ende dieses Wagens befindet sich ein drehendes Rad mit kleinen Schaufeln, dass die kruden Thesen &#8211; in kleine Teilchen zerhackt &#8211; in das gesellschaftliche Feld wirft. So verteilte dieses agrarische Ungetüm ein ganzes Buch in Häppchen an die staunende Meute der Millionen Leser. Und es gab ein Heulen und Johlen überall auch bei den anderen Bauern, die nicht ganz so große Felder zu bestellen hatten. Und nachdem alle ihren Schnitt am morbiden Skandal-Bürger gemacht hatten, wurde es still um den berühmten Fahranfänger der biologischen Thesenbildung. Ein Jahr verging.</p>
<p>Neulich spazierte er &#8211; jovial ausschreitend &#8211; durch die biologisch durchseuchten Gebiete seiner Rassentheorie und erlebte &#8211; welch ein Wunder &#8211; keine Heiligsprechung. Ein Skandal wurde ruchbar: Der Schnee ist weiß. </p>
<p>Ach ja, übrigens ein bekannter Berliner war neulich auch spazieren und <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article13490723/Wie-ein-gepruegelter-Hund-vom-Multikulti-Kiez-verjagt.html">die WELT hat es dokumentiert</a>. Also. </p>
<p>(Ähnlichkeiten oder Übereinstimmungen mit existierenden Personen sind rein zufällig und entstehen nur zwischen den Ohren des Lesers.)</p>
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		<title>Warnintelligenz</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jul 2011 16:33:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wittkewitz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir haben uns daran gewöhnt, dass Google ein gefährlicher Datenkrake und Apple ein nimmersatter Verkäufer digitaler Spielzeuge ist. Diese Archetypen der digitalen Ökonomie haben mittlerweile sogar schon einen Urahn: Der Großvater Microsoft röchelt noch ein wenig auf dem Sofa des weltweiten Datennetzes vor sich hin. Aber auch dieser Methusalem hatte einst richtige Feinde. Vor 10 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.multiasking.net/wp-content/uploads/2011/07/alert.jpg"><img src="http://www.multiasking.net/wp-content/uploads/2011/07/alert-254x300.jpg" alt="" title="alert" width="254" height="300" class="alignright size-medium wp-image-2700" /></a>Wir haben uns daran gewöhnt, dass Google ein gefährlicher Datenkrake und Apple ein nimmersatter Verkäufer digitaler Spielzeuge ist. Diese Archetypen der digitalen Ökonomie haben mittlerweile sogar schon einen Urahn: Der Großvater Microsoft röchelt noch ein wenig auf dem Sofa des weltweiten Datennetzes vor sich hin. Aber auch dieser Methusalem hatte einst richtige Feinde.</p>
<p>Vor 10 Jahren hatten Legionen von Journalisten vor den Konsequenzen der digitalisierten Arbeitswelt gewarnt. Die Menschen wurden krank vor schlechten Monitoren und Bürostühle genügten nicht mehr den ergonomischen Anforderungen. Vor allem der Aufbau der Oberfläche von Microsofts Bürolösungen galt als steinzeitlich. Heute ist das alles vergessen. Seit wir den Monitor auf ein Zehntel verkleinert haben und darauf herumwischen, geht es uns so gut, dass die wahren Gefahren nur noch von den Datenbanken der Werbenetzwerke ausgehen. ZEIT und Süddeutsche Zeitung hatten Mitte der Woche berichtet, dass die kapitalistische Großinvasion namens Google ihre giftigen Arme auf uns gerichtet habe. In einer Datenbank mit dem mysteriösen Kürzel DDP sollten die Interessen der Werbekunden an den Meistbietenden verhökert werden. Der Datenschutz – die goldenen Bulle der letzten Jahre – war in Gefahr. Offenbar hatte Google vor, uns alle zu verwanzen&#8230;<span id="more-2697"></span></p>
<p>Man schrieb von der Website des amerikanischen Marketing-Fachblatts AdAge ab. Zumindest glaubte man, den Artikel dort verstanden zu haben. Dort wurde eine neue Lösung der Googlianer für das Target-Markting von Bannerwerbung auf Websites vorgestellt. Das Ziel bei dieser Form der Werbung liegt darin, den älteren Semestern im Internet Werbung für Kreuzfahrten auf den Leib zu schneidern und dem siebzehnjährigen Enkel die neueste CD seiner Lieblingsband zu präsentieren. Die Süddeutsche zog ihre Schlüsse etwas voreilig:“Künftig sollen Werber bei Google Daten von Verbrauchern kaufen können, mit Name, Adresse und, vor allem, nach Interessen sortiert.“ Google hat solche Adressen in den allermeisten Fällen vermutlich gar nicht. Und wenn sie die hätten, wäre es das Ende des Werbegeschäfts, wenn sie sie verkauften. Das Vertrauen wäre dahin – weltweit. Im Gegenteil sind es nicht selten dessen Kunden, die Online-Shops und Versandhändler, die ein einträgliches Geschäft mit der Vermietung von Adressen betreiben.</p>
<p>In Wirklichkeit geht es bei Googles Plattform namens AdExchange um die Werbeplätze auf einer Website, auf denen die sogenannten Banner erscheinen, die uns so freundlich blinkend den letzten Nerv rauben, wenn wir einen Artikel in einem Online-Magazin verstehen wollen. Das Dementi von Google kam dann auch kurze Zeit später auf Google+, dem sozialen Netzwerk des Werbemonopolisten: „Wir verkaufen keine Nutzerdaten oder -profile und werden das auch in Zukunft nicht tun. Richtig ist, dass wir zusammen mit anderen Werbenetzwerken an Initiativen arbeiten, das Datenmanagement von Interessenskategorien zu vereinfachen, indem die vorhandenen Daten aus verschiedenen Werbenetzwerken auf einer Plattform zusammengefasst werden.“</p>
<p>Man will dort sogar dem Nutzer ermöglichen, aus der personalisierten Werbung anhand von Interessensgebieten auszusteigen. Genau dieser Datenbank gegenüber soll der Nutzer dann erklären können, dass er keine persönliche maßgeschneiderte Werbung haben will. Ein totales Aus der Werbung hätte fatale Folgen. Denn das würde automatisch zur Folge haben, dass 90% aller professionellen Webangebote Abonnementkosten erheben müssten. So gesehen ist eine personalisierte Werbung das kleinere Übel. Und es ist für viele junge Männer eine gute Entwicklung, dass im Web keine Werbung mehr für Damenbinden, Treppenlifte und ausgefallene Hüte um ihre Aufmerksamkeit buhlt. Frauen verzichten dafür gern auf hübsche Bildchen über Rasierschaum, Sportwagen und Tennissocken.</p>
<p>Aber die Alarmglocken vieler Journalisten klingeln häufig, wenn die digitale Trias aus Google, Werbung und Nutzer eine neue Verknüpfung erlebt. Dass sich viele Firmen viel lieber bei den fein justierbaren Datenbanken von Facebook bedienen, scheint noch nicht so ganz bis in die heiligen Hallen der Recherche gedrungen zu sein. So wird Facebook immer mehr zum McDonalds der Sozialen Netzwerke. Die Flut an sinnlosen Spielen und unerwünschter Werbung nimmt dort epische Ausmaße an. Aber man verdient noch immer nur einen Bruchteil des Suchmaschinenmonopols.</p>
<p>Google will alles. Wer Mitglied im neuen Netzwerk ist, der wird feststellen, dass alle je verfügbaren Dienste nun ein Dach bekommen haben. Das gemeinsame Erstellen von Dokumenten im Web, das Verwalten von Fotos und viele andere Dienste, die wir mit unserem Computer täglich verrichten, bietet Google im Rahmen seiner Cloud-Services an. Das bedeutet, dass man eigentlich keine Festplatte mehr braucht, weil alle Daten irgendwo auf einer der Serverfarmen von Google liegen. Konsequenterweise bietet man seit diesem Sommer dafür sogar eigene Laptops an. Diese Chromebooks genannten mobilen PCs kommen ganz ohne Windows oder Linux als Betriebssystem aus. Was für uns sinnlos erscheint, ist für die neue Generation der digitalen Konsumenten schon eingeprägt: Computer ohne Internet sind wie Licht ohne Strom. Ob der röchelnde Senior namens Microsoft dem noch irgendetwas entgegenzusetzen hat? Einige größere europäische Verlage haben ihre Zusammenarbeit bereits in die virtuellen Arbeitsräume von Google Docs verlegt. Dort hat man sehr still gehalten, als die Google-Suada durch den deutschen Blätterwald zog. Vielleicht stürzten dort aber auch immer die virtuellen Dokumente ab, als die Redakteurinnen etwas Schlechtes über den Suchgiganten schreiben wollten? </p>
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