Dementia Gelernterensis

Kommentare

  
  1. orangeguru sagt:

    Ich finde die derzeitigen Erklärungsversuche des „neuen“ Echtzeit-Lifestyles und die gegenseitige Lobduddeleien unserer so genannten Intelligentsia schon kurz vor der Nötigung.

    Da wird im technologischen Nudelsalat mit gar großartigem Vokabular und schmerzhaften Metaphern herumgestochert – ohne zumindest die Grundzüge der dahinter liegenden Magie zu verstehen.

    Ich verlange nicht, daß die Herrn Schirrmachers & Co anfangen Software zu schreiben und Datenbank-Schemas zu konzipieren. Aber so ein paar grundsätzliche Basics würden nicht schaden und würden sicherlich die wüllstigen Wortwälle entweder besser fundamentieren oder dank pragmatischer Einsichten gar verhindern.

    Vor allem aber eine stärkere Einbeziehung anderer gesellschaftlicher Faktoren, die ebenso wichtig sind wie die Einflüsse der Technologie (Single-Gesellschaft, Kreativ- & Individualitätswahn, etc.) … Information und Informatik sind nicht die einzigen Pusteln am Wunderwarzenschein Internet …

  2. Wittkewitz sagt:

    Hi Martin,

    ja, das ist wahr. Ich hatte zuerst versucht, auf all die Gemeinplätze in dem Gelernter-Text stehen profunder einzugehen. Dabei fiel mir auf, dass ich die Aussagen damit stärker machte, als sie eigentlich waren. Denn bei genau Betrachtung findet sich in dem Gelernter-Text, was nicht schon 2005 zu diesem Thema gesagt wurde, unsere Diskussion eigentlich aber schon weiter ist. Deshalb bin ich noch mal einen weiteren Schritt zurück, um denen, die es nicht mehr oder noch nicht wissen, zu zeigen, dass erst die vielen Daten waren und dann die Rechenmaschinen von Hollerith und Co kamen. Insofern ist die ganze Diskussion obsolet. Teile aus den Argumenten dieser Diskussion sind dann wieder aus anderen Gründen zu stark vereinfacht. Es geht mir also darum, aufzuzeigen, dass wir es uns nicht mehr leisten können, auf dem substanzlosen Niveau weiterzudiskutieren. Die Metapher des Dokuments funktioniert einfach nicht mehr. Es ist fahrlässig auf ihr den Informationsfluss darzustellen. Vor 10 Jahren haben die viele Softwareanbieter mit dem Bild der Informationslogistik aus denselben Gründen, die ich oben anführe, den Weg in die ewigen Jagdgründe eingeschlagen. Es gibt weder lineare noch zirkuläre Organisationsformen, die das Konstruieren oder Assimilieren von Differenz in einem Selbstmodell angemessen erklären. Dass wir über mehrere Selbsmodelle verfügen, und nicht ganz klar ist ob wir Welt assimilieren, konstruieren oder beides, macht diese Schriften rund um Schirrmacher Feuilleton in keiner Weise gegenwärtiger. Das Gegenteil ist eher der Fall, sie glauben noch immer, das Gehirn funktioniert so wie die Maschine, die vor fast 100 Jahren erfunden wurde, um Kalkulationen durchzuführen. Das menschliche Selbst jedoch ist Beginn und Ziel von Inhalten. Es kalkuliert nur im Rahmen von mathematischen Axiomen, die ihrerseits vollständig ohne äußere Grundlage sind, da Axiome selbst nicht herleitbar oder beweisbar sind. Das mathematische Verfahren ist daher nur in der Lage, um formale Konsistenz zu prüfen. Wer eine Kalkulus-Maschien einsetzt, um Relevanz oder ähnliches zu erstellen, der begeht den üblichen Ryleschen Kategorienfehler.

  3. du schreibst viele sätze, die alle irgendwie richtig sind, aber an dem gelernter-text doch vorbeigehen. das interessanteste, die don delillo-hafte lifestream-metapher, ist hier sicher missverstanden, da gehts gelernter eher nicht um quellen und endpunkte, und eigentlich nicht mal um overload.

    ich glaube allerdings auch, dass es gegen den informations-begriff & einiges andere viel einzuwenden gibt, aber ich finde davon nicht viel hier. du nimmst ja gelernters aphoristischen text mehr als anlass zum allgemeinen räsonnieren als ihn selbst genau auseinanderzunehmen. (dass das mit al qaeda völliger unsinn ist, stimmt natürlich.)

    das gesagt habend, möchte ich betonen, dass es mir großen spaß gemacht hat, das zu verfolgen. rant on :)

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